Therapie
Interferon
Interferone sind körpereigene Hormone des Immunsystems, welche eine Vielzahl von Effekten haben. Insbesondere wirken sie gegen Viren und Tumoren. Sie gehören zu den bestuntersuchsten adjuvanten Medikamenten bei Melanom. Doch helfen Interferone wirklich bei Melanom?
Sie finden hier die Übersicht über die bisherigen Studien. Eingeschlossen wurden jeweils Patienten mit einem Melanom, welche aber aktuell ohne Metastasen sind. Ziel der Studien war es zu erfahren, ob die Gabe von Interferon die Zeit bis zum Auftreten eines Rezidives/Metastase (sog. rezidivfreies Überleben) und Versterben (sog. Gesamtüberleben) verlängert werden kann.
Sie sehen, dass nur die Hälfte der Studien ein (schwach) positives Ergebnis zeigte:
| Autor |
rezidivfreies Überleben | Gesamtüberleben |
| Kirkwood et al. 1996 |
p=0.0023 |
p=0.0237 |
| Grob et al. 1998 |
p=0.035 |
p=0.059 |
| Pehamberger et al. 1998 |
p=0.02 |
keine Daten |
| Kirkwood et al. 2000 |
p=0.03 |
kein sign. Unterschied |
| Cascinelli et al. 2001 |
kein sign. Unterschied |
kein sign. Unterschied |
| Hancock et al. 2004 |
kein sign. Unterschied | kein sign. Unterschied |
| Eggermont et al. 2005 |
kein sign. Unterschied | kein sign. Unterschied |
| Garbe et al. 2008 |
p=0.018 |
p=0.0045 |
Eine Übersichtsarbeit über die bisher durchgeführten Studien (Mocellin et al. 2010) kam zum Schluss, dass eine adjuvante Therapie mit Interferion das rezidivfreie Überleben um ca. 5-10% verlängern kann. Die Untersuchung konnte aber keine optimale Interferon Dosis oder Therapiedauer identifizieren, Ebenso war es nicht möglich vor der Therapie zu bestimmen, welche Patienten profiitieren.
Neu werden die Interferone in einer neuen Form (pegyliert) an Patienten mit Melanomen geprüft. Im Vergleich zu nicht-pegyliertem Interferon zeigte sich kein Unterschied in Bezug auf das rezidivfreie Überleben und das Gesamtüberleben. Die Nebenwirkungen wie Blutbildveränderungen waren beim neuen, pegylierten Interferon häufiger. Die Daten wurden an der Jahrestagung der American Socitey of Clinical Oncology (ASCO) vorgestellt (Grob et al., 2010). Ein europäischer zulassungsantrag für pegyliertes Interferon beim melanom wurde von der Firma zurückgezogen.
Die Therapie mit Interferonen wirft viele Fragen auf und muss deshalb ausführlich mit dem behandelnden Arzt besprochen werden. Abgewogen werden muss insbesondere der fragliche Benefit gegen die lange Behandllung (1-5 Jahre lang), die vielen Spritzen/Injektionen und die Nebenwirkungen. Viele Universitätskliniken führen diese Therapie wegen oben erwähnten Argumenten jedoch nicht mehr durch.
